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Gleichstellung Frauen und Erwerbsarbeit

Heutzutage haben viele junge Frauen heute das Gefühl, nicht mehr benachteiligt zu sein, und die Wahrnehmung, dass ihnen dieselben Lebenschancen offen stehen wie jungen Männern. Auf den ersten Blick mag dieser Eindruck auch richtig sein.

Strassenmarkierung Frau

Vorsicht, Frauen kreuzen!

Mädchen und junge Frauen sind qualifizierter und erreichen die höheren Bildungsabschlüsse als junge Männer. Doch gelingt es nicht, dieses "kulturelle Kapital" auch in verbesserte Berufs- und Karrierechancen umzusetzen. Früher oder später stößt die Mehrheit von ihnen an die objektiv vorhandene "gläserne Wand". Trotz geschlechtsspezifischer Berufswahl sind sie dabei weniger in Ausbildung und in der Berufseinstiegsphase benachteiligt als vielmehr bei späterer Bezahlung, Aufstiegsmöglichkeiten und im reproduktiven Bereich, v.a. durch die "Kinderfalle" – Männer gleich welchen Alters zeigen sich heute wieder erstaunlich resistent gegen Forderungen, sich ihrer Verantwortung zu stellen.
Wie stark die objektiv vorhandene Diskriminierung von Frauen heute noch ausgeprägt ist, zeigt sich an den Ergebnissen einer aktuellen Studie des Bundesfamilienministeriums. Frauen in Deutschland haben schlechtere Karrierechancen und verdienen weiterhin in der Regel deutlich weniger als Männer, dabei sei die Benachteiligung im Osten geringer als im Westen und bei Akademikerinnen und Meisterinnen größer als bei geringer qualifizierten Arbeitnehmerinnen.
In den letzten Jahren ist ein Wandel vom Alleinverdienermodell hin zum Zuerwerbsmodell zu beobachten. Zwar ist der Mann nicht mehr der alleinige Ernährer, aber der Verdienst der Frau ist meist nur ein Nebenverdienst zum Familieneinkommen, der gesellschaftlich auch so behandelt wird. Frauenerwerbstätigkeit focusiert sich immer mehr auf Teilzeitarbeit und geringfügige Beschäftigung. In den alten Bundesländern haben 40% der Frauen eine Teilzeitjob, während die Teilzeitquote bei Männern bei 5% liegt . 43,8 % aller Frauen mit einem Teilzeitjob arbeiten weniger als 20 Stunden in der Woche.
So ist zwar die Erwerbstätigkeit der Frauen gestiegen, allerdings vor allem auf Grund von Minijobs, während eine existenzsichernde Vollzeitstelle bei Frauen nicht die Regel ist.

Frauen verdienen statistisch nachweisbar bei gleicher Leistung nach wie vor weniger als Männer. Dabei spielt vor allem die nach wie vor diskriminierende Bewertung von sog. „Frauenarbeitsplätzen“ eine zentrale Rolle. „Frauenarbeit“ wird häufig immer noch als leichter, unqualifizierter oder weniger anstrengend angesehen und trägt häufig das Stigma des „Zuverdienstes“.
Besonders gravierend sind die Lohnunterschiede im technischen, wirtschaftlichen und wissenschaftlichen Bereich, wo Frauen durchschnittlich nur 63% des Einkommens ihrer Kollegen verdienen. Ebenfalls auffällig ist die Tatsache, dass die Lohndiskriminierung v.a. im Niedriglohnbereich mit die prekärsten Ausprägungen annimmt. Doch der größte Unterschied zwischen den Gehältern liegt bei hoch qualifizierten Frauen.
Die Lohndiskriminierung kommt durch die unterschiedliche Klassifizierung der Tätigkeiten zustande. In der Praxis wird oftmals ein und die selbe Tätigkeit unterschiedlich bewertet, benannt und dann auch bezahlt. So kann die Organisation von betrieblicher Weiterbildung als Sekretariats- oder als Managementaufgabe eingestuft werden. Zu den deutlichen Lohnunterschieden tragen auch Boni, Gratifikationen und andere Zusatzlohnelemente bei, die Männern häufiger zugesprochen werden.
Ein weiterer Grund für die häufig schlechte Einkommenssituation von Frauen ist zudem ihre Konzentration auf wenige Wirtschaftszweige mit oft geringen Verdienstmöglichkeiten. Die Mehrheit der erwerbstätigen Frauen arbeitet im Dienstleistungssektor. Diese Bereiche sind überdurchschnittlich von Arbeitslosigkeit betroffen und bieten oftmals keinerlei Aufstiegsmöglichkeiten (Zahnarzthelferin).
Ebenfalls gravierende Auswirkungen sowohl auf die Entlohnung als auch die Aufstiegschancen hat der hohe weibliche Anteil an Teilzeitarbeitenden. Ihr kommt dabei nach wie vor die Bedeutung der Vereinbarkeit von Familie und Beruf zu, da dies aufgrund der besonders in Bayern äußerst mangelhaften Situation an Kinderbetreuungseinrichtungen immer noch schwierig ist. Häufig nehmen junge Frauen daher immer noch eine durchbrochene Erwerbsbiographie mit allen negativen Folgen wie beispielsweise Abschläge bei der Alterssicherung in Kauf. Trotz des Diskriminierungsverbots bei Teilzeitarbeit im Teilzeitbefristungsgesetz hat sich an der Benachteiligung von Teilzeitbeschäftigten nichts geändert.

Der Anteil von Frauen in Führungspositionen ist nach wie vor verschwindend gering (unter 11%). Dennoch gibt es vor allem im öffentlichen Dienst bereits bestimmte frauenfördernde Elemente und betriebsinterne Gender- Konzepte. Doch von einem Gleichstellungs-Selbstverständnis der Privatwirtschaft kann noch lang keine Rede sein.
Die Babypause und die Tatsache, dass immer noch zu 98% der Erziehungsurlaub von Frauen genommen wird, wirken sich aufgrund der Abwesenheit aus dem Erwerbsleben negativ auf das berufliche Fortkommen aus.

Es ist noch ein weiter Weg bis zur wirklichen Gleichberechtigung der Frauen in der Erwerbswelt. Gerade deswegen ist es notwendig dass die derzeitige Regierungszeit einer SPD-geführten Bundesregierung für durchgreifende und richtungweisende Reformen zur Gleichstellung der Geschlechter genutzt wird. Deshalb weisen wir Jusos mit Nachdruck darauf hin, dass viele gleichstellungspolitische Reformen, die die Erwerbstätigkeit von Frauen fördern, noch ausstehen. Wir fordern deshalb:

 Ein Gleichstellungsgesetz für die Privatwirtschaft:
Die derzeitige Selbstverpflichtung der Wirtschaft wird nicht die vorgegeben Ziele erfüllen können. Erst durch ein Gesetz, welches Unternehmen sanktioniert, die nichts zur Verbesserung ihres Frauenanteils tun, werden Erfolge möglich. Erforderlich sind zum Beispiel Zielquotierungen für Ausbildungsplätze und für Beförderungen. Es sind aber nicht nur Maßnahmen, die den Frauenanteil erhöhen, erforderlich.
 Es müssen auch generell die Arbeitsbedingungen von Frauen verbessert werden, wie etwa durch Maßnahmen gegen Sexismus am Arbeitsplatz.
 Eine gesetzliche Regelung soll Arbeitgeber verpflichten, dem erziehenden Elternteil während der Elternzeit die Möglichkeit einzuräumen, an betriebsinternen Fortbildungs- und Weiterbildungsmaßnahmen teilzunehmen, um so die Gefahr eines „Karriereknicks“ durch Kinderkriegen abzuschwächen. Auch die Regierung selbst soll verstärkt Weiterbildungsmaßnahmen für Mütter und Väter im Erziehungsurlaub bereitstellen.
 „Gleiches Geld für gleiche Arbeit“. Es muss aufgeräumt werden mit der versteckten Lohndiskriminierung von Frauen. Frauenberufe dürfen nicht länger als „Zuverdienstberufe“ gelten und entsprechen schlecht bezahlt werden.
 Den Ausbau von Kinderbetreuungseinrichtungen. Wir schließen uns dem Ganztagsschulprojekt der SPD Bayern als ersten Schritt in Richtung auf Gesamtschulen an und fordern aber gleichzeitig eine Verbesserung des Betreuungsangebotes von Kleinkindern in Kindertagestätten oder Kinderhorten. Die Verbesserung des Angebotes an Kinderbetreuungseinrichtungen hätte zur Folge, dass Eltern besser Kinder und Beruf miteinander verbinden könnten.
 Die Rücknahme der Gesetze zur Ausweitung der Minijobs im Zuge der Hartz Reform. Denn unser Ziel ist es Frauen in Vollbeschäftigung zu bringen und nicht mit prekären Jobs abzuspeisen.
 Eine eigenständige Sozialversicherung für mithelfende Familienangehörige.
 Den Umbau der Familienmitversicherung in eine Kinder-Mitversicherung.
 eine Verkürzung der regelmäßigen Arbeitszeit des Normalarbeitsverhältnisses (35h-Woche) ohne Einschnitte beim Einkommen, der sozialen Absicherung und der Arbeitsstandards. Damit würde die Lebensqualität und die persönliche Selbstbestimmung vieler ArbeitnehmerInnen steigen. Darüber hinaus ermöglicht die 35h-Woche ein Wegkommen vom Alleinernährer-Modell und somit die gleichberechtigte Aufteilung der Kindererziehung und der Reproduktionsarbeit zwischen Mann und Frau.


von Angela Greulich, stellvertretende Juso-Landesvorsitzende

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